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Peter Lehmann / Volkmar Aderhold / Marc Rufer / Josef Zehentbauer
Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternativen
Mit einem Exkurs zur Wiederkehr des Elektroschocks

Cover  

Berlin / Shrewsbury: Peter Lehmann Publishing 2017

  • Kartoniert, 241 Seiten, 5 Abbildungen, 2 Tabellen, 14,8 x 21 cm, ISBN 978-3-925931-68-0. € 19.95 / Preis in sFr / lieferbar ab Mitte September 2017 Vormerkbutton

  • ePUB E-Book, ISBN 978-3-925931-69-4. € 14.99 / Preis in sFr / lieferbar ab Oktober 2017 Vormerkbutton

  • MobiPocket E-Book, ISBN 978-3-925931-70-8. € 14.99 / Preis in sFr / lieferbar ab Oktober 2017 Vormerkbutton

  • PDF E-Book, 241 Seiten, 5 Abbildungen, 2 Tabellen, 1.2 MB, ISBN 978-3-925931-71-6. € 14.99 / Preis in sFr / sofort lieferbar oder Bestellung mit Formular
   

Alles über die Wirkungsweisen neuer Antidepressiva und atypischer Neuroleptika, ihre Risiken, Schäden und Kontraindikationen. Bei welchen Symptomen weisen Herstellerfirmen Ärzte an, die Psychopharmaka zu verringern oder sofort abzusetzen? Welche Probleme können beim Absetzen auftreten? Warum wollen Psychiater verstärkt Elektroschocks verabreichen? Wie verfälschen Placebo-Effekte Wirksamkeitsstudien? Woran erkennt man Langzeitschäden frühzeitig? Wie lassen sich Neuroleptika notfalls niedrig dosieren? Welche Selbsthilfemöglichkeiten, klinischen Alternativen und allgemeinärztlichen alternativen Behandlungsmethoden gibt es bei Psychosen, Depressionen und sonstigen ernsten psychischen Problemen? Mit Geleitworten von Prof. Dr. med. Dr. phil. Andreas Heinz sowie Dr. rer. biol. hum. Peter Ansari und Sabine Ansari und mit einem Nachwort der Oberstaatsanwältin Dr. jur. Marina Langfeldt. Originalausgabe

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort – Peter und Sabine Ansari ..... 11
Geleitwort Andreas Heinz … 12
Vorwort Peter Lehmann ..... 15

Risiken und Schäden neuer Antidepressiva und atypischer Neuroleptika Peter Lehmann ..... 19

Neue Antidepressiva ..... 27
Agomelatin · Bupropion · Citalopram · Dapoxetin · Duloxetin ·Escitalopram · Fluoxetin · Fluvoxamin · Milnacipran · Paroxetin · Reboxetin · Sertralin · Tianeptin · Venlafaxin · Vortioxetin
Referenz-Antidepressivum Imipramin ..... 55
Antidepressiva in der Erprobung ..... 57
Seltene und sehr seltene Schäden bei neuen Antidepressiva ..... 57
Herkömmliche oder neue Antidepressiva? ..... 60

Atypische Neuroleptika ..... 60
Amisulprid · Aripiprazol · Asenapin · Clozapin · Loxapin · Lurasidon · Olanzapin · Paliperidon · Quetiapin · Risperidon · Sertindol · Sulpirid · Ziprasidon
Referenz-Neuroleptikum Haloperidol ..... 83
Neuroleptika in der Erprobung ..... 85
Seltene und sehr seltene Schäden bei atypischen Neuroleptika ..... 85
Herkömmliche oder atypische Neuroleptika? ..... 88
Frühwarnzeichen chronischer und lebensgefährlicher Schäden ..... 92
   Delire ..... 93
   Entzugserscheinungen und Chronifizierung von Depressionen ..... 94
   Entzugserscheinungen und Chronifizierung von Psychosen ..... 99
   Suizidalität ..... 102
   Hirnstörungen und Hirnschäden ..... 104
   Allergische Reaktionen ..... 107
   Augenschäden ..... 111
   Hormon- und Sexualstörungen ..... 112
   Herzschäden ..... 115
   Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse ..... 117
   Leberschäden ..... 118
   Blutdruck- und Gefäßstörungen ..... 119
   Zahnschäden ..... 120
   Nierenschäden ..... 121
   Muskelschäden ..... 123

Wiederkehr des Elektroschocks ..... 125
Wirkungsweise moderner Elektroschocks ..... 128
Indikationen ..... 133
Kontraindikationen ..... 139
Unerwünschte Wirkungen ..... 141
   Schwangerschaftsrisiken und -schäden ..... 144
Probleme mit dem Beenden von Elektroschock-Serien ..... 145
Chronische und lebensgefährliche Schäden ..... 146
Aufklärung über Risiken und Schäden? ..... 151

Alternativen zu Antidepressiva, Neuroleptika, Elektroschocks ..... 152
Humanistisch orientierte Alternativen ..... 153
Alternativen zu Neuroleptika ..... 153
Alternativen zu Antidepressiva ..... 154
Alternativen zu Elektroschocks ..... 154
Psychosoziale Patientenverfügung ..... 155

Glossar ..... 157
Quellen ..... 161

Placebo-Effekte – Marc Rufer ..... 175

Mythos und Ritus ..... 175
Placebo-Effekte allüberall ..... 177
Selbstheilungskräfte ..... 178
Placebos im ärztlichen Alltag? ..... 178
Wirksamkeitsprüfungen ..... 179
Auswahl der Versuchspersonen ..... 181
Lug und Trug ..... 181
Fazit ..... 182
Quellen ..... 184

Ärztliche Begleitung beim Umgang mit Psychopharmaka und der Suche nach Alternativen – Josef Zehentbauer ..... 185

Selbstverantwortung übernehmen statt blind vertrauen ..... 186
Alternative Medikamente ..... 187
Homöopathie und Orthomolekulare Medizin ..... 190
Nicht-medikamentöse Herangehensweisen ..... 191
Psychotherapie – Hilfe in schwierigen Zeiten ..... 192
Familie, Freunde, Selbsthilfe ..... 194
Vorsorgemaßnahmen treffen ..... 195
Resümee ..... 196
Quellen ..... 196

Minimaldosierung und Monitoring bei Neuroleptika – Volkmar Aderhold ..... 198

Dopamin und Psychosen ..... 198
Neuroleptika-Niedrigdosierung bei der Akutbehandlung ..... 200
Neuroleptika-Niedrigdosierung und unerwünschte Wirkungen ..... 203
Wirksamkeit der Neuroleptika ..... 206
Supersensitivität durch Neuroleptika ..... 207
Polypharmazie ..... 210
Lebensverkürzende Wirkungen ..... 212
Kontrolluntersuchungen ..... 215
Fazit für die Verordnungspraxis ..... 217
Literatur ..... 218

Psychopharmaka absetzen? – Volkmar Aderhold, Peter Lehmann, Marc Rufer & Josef Zehentbauer ..... 223

Nichts überstürzen ..... 224
Weitere Ratschläge ..... 225
Selbstverantwortung und Unterstützung ..... 229
Warnhinweise ..... 231
Quellen ..... 232

Ein medizinjuristisches Nachwort Marina Langfeldt ..... 234

Anhang

Über die Autorinnen und Autoren ..... 238
Psychopharmaka-Index ..... 240

Vorwort

In diesem Buch geht es darum, Patientinnen und Patienten in die Lage zu versetzen, selbstbestimmt zu entscheiden, ob sie vorgeschlagene neue Antidepressiva und atypische Neuroleptika einnehmen oder sich moderne Elektroschocks verabreichen lassen wollen oder lieber nicht. Und welche Alternativen bestehen – sollten sie überhaupt eine Behandlung wünschen bzw. nach ihrer Meinung gefragt werden. Neben den direkt Betroffenen spricht dieses Buch auch alle anderen Personengruppen an, die mit dieser Thematik zu tun haben, seien es Angehörige, Ärzte, Pharmakologen, Pfleger, Psychotherapeuten, Genesungsbegleiter, Sozialarbeiter, Juristen, Journalisten, Politiker oder Funktionäre von Krankenkassen.

Aus Gründen einer leichteren Lesbarkeit verzichten die Autoren mehrheitlich darauf, in ihren Beiträgen beide Geschlechter einheitlich zu berücksichtigen, und entschieden sich für die traditionelle Verwendung der deutschen Sprache. Dafür verweigern sie sich der üblichen Praxis, was Literaturangaben betrifft: Statt nur die Initialen der Vornamen von Autorinnen und Autoren zu nennen, geben sie deren vollständige Vornamen wieder und machen damit die männliche Dominanz in der herrschenden Wissenschaft deutlich.

Die Behandlungsrichtlinien von Psychiaterverbänden setzen den aufgeklärten Patienten voraus. Dieser kennt die Risiken und Alternativen der Behandlung ebenso wie die Ergebnisse der Untersuchungen seines körperlichen Gesundheitszustands. Bestimmte Kontrolluntersuchungen (Monitoring) werden vor Beginn einer Verabreichung von Elektroschocks oder Psychopharmaka vorgenommen, ebenso nach gewissen Zeitabständen fortwährender Psychopharmaka-Behandlung, um sich entwickelnden chronischen oder lebensbedrohlichen Schäden frühzeitig auf die Spur zu kommen. Der aufgeklärte Patient kennt die Bedeutung von Symptomen, die auf solche behandlungsbedingte Schäden hinweisen. Hierzu gehören Herzrhythmusstörungen, Diabetes (Zuckerkrankheit), Blutbildveränderungen, Geschwulstbildungen, Augenerkrankungen und vieles mehr. Die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie die Psychopharmaka oder Elektroschocks verabreicht haben wollen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. In aller Regel lässt die Aufklärung zu wünschen übrig. Patientinnen und Patienten wird eine umfassende Aufklärung über die Risiken der Behandlung vorenthalten. Sie werden nicht über Behandlungsalternativen informiert, nicht über die Bedeutung der Befunde, die in Kontrolluntersuchungen erhoben werden – wenn sie überhaupt geschehen –, nicht über Probleme beim späteren Absetzen der verordneten Psychopharmaka. Eine Verbreichung von Medikamenten und sonstigen medizinischen Anwendungen gilt allgemein als Körperverletzung. Die Strafbarkeit entfällt erst durch die informierte Zustimmung.

Die ohne informierte Zustimmung erfolgte psychiatrische Anwendung, die eventuell Folgeschäden nach sich zieht, gilt nicht als Offizialdelikt, das heißt als Straftatbestand, der von Amts wegen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen auslöst. Trotz der erheblichen, zum Teil sehr häufig auftretenden Gesundheitsschäden durch Psychopharmaka und Elektroschocks, wie sie die Hersteller und Anwender in ihren internen Verlautbarungen und Beipackzetteln eingestehen und die Thema dieses Buchs sind, sehen staatliche Organe keine Notwendigkeit einzugreifen, auch nicht angesichts der im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung hohen Sterblichkeitsrate psychiatrischer Patientinnen und Patienten – egal, ob man sie auf deren schlechte Lebensbedingungen zurückführt oder auf die gesundheitlichen Belastungen durch Psychopharmaka und Elektroschocks.

Ohne eine Beweislastumkehr sind die potenziell Geschädigten aus vielfältigen Gründen nahezu chancenlos, Schadenersatzansprüche und Schmerzensgeld durchzusetzen. Eine Umkehr der Beweislast hieße, dass – beispielsweise um die Chance auf Schmerzensgeld zu erhöhen – bei einem Behandlungsschaden nicht der Patient nachweisen müsste, dass der Schaden einzig durch die Behandlung verursacht wurde und dass eingangs keine umfassende Aufklärung über Risiken und Alternativen der Behandlung stattfand. Statt dessen müsste der Verabreicher von Psychopharmaka oder Elektroschocks nachweisen, dass aufgetretene Schäden nicht durch seine Behandlung verursacht wurden und er umfassend aufgeklärt hat.

Wie Arno Deister, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), mitteilte, seien in Deutschland innerhalb eines Jahres mittlerweile über 27 % der Erwachsenen von Depressionen, Angststörungen und weiteren psychischen Leiden betroffen, bei den Ursachen für Krankschreibungen und frühzeitige Berentungen stünden psychische Erkrankungen ganz vorn. Dies wirke sich auf fast alle Lebensbereiche aus – Familie, Partnerschaft, soziales Umfeld und Arbeit. Oft komme es zu Chronifizierungen und Frühberentungen (2017). In Österreich und der Schweiz dürften die Zahlen ähnlich sein.

Dass psychische Probleme gravierendes Leid bereiten können, steht außer Frage. Die Betroffenen können alles verlieren, was ihnen lieb und wichtig ist: das Sorgerecht für ihre Kinder, ihre Freundinnen und Freunde, die Wohnung, die Arbeit, den Studienplatz, Besitz und Vermögen. Sie können verwahrlosen, sich und andere quälen und schließlich das Selbstbestimmungsrecht, die Freiheit, die Lebensfreude und das Leben selbst verlieren. Umso wichtiger ist es, dass eine medizinische Behandlung, beispielsweise die Verordnung von Psychopharmaka, die Probleme nicht noch verschärft. Welch zentrale Rolle bei der Verstärkung und Chronifizierung psychischer Probleme die in steigender Zahl verabreichten neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika sowie moderne Elektroschocks spielen, welche körperliche Leiden sie zusätzlich schaffen, welche Abhängigkeits-, Entzugs- und Absetzprobleme sie hervorrufen und wie man die Risiken und Schäden kleinzureden versucht, ist Thema des ersten Beitrags. Da in der Regel Ärzte die Verabreichung ihrer Psychopharmaka und Elektroschocks als alternativlos darstellen, endet der Beitrag mit Beispielen überprüfter humanistisch orientierter Alternativen sowie einer Vielfalt von Hilfen, die gutwillige Ärztinnen und Ärzte schon heute in einzelnen psychiatrischen Kliniken anbieten – jenseits von Pharmazie und Elektrotechnik.

Marc Rufers Auseinandersetzung mit dem Placebo-Effekt gibt Aufschluss darüber, wie Menschen auf therapeutische Maßnahmen reagieren und wie sehr die Psyche vermeintlich rein biologische Wirkungen bestimmt: Der Glaube ist entscheidend, die Überzeugung, die Hoffnung auch, etwas Wirkungsvolles eingenommen zu haben. Das gilt für Medikamente genauso wie für Placebos. So ist es praktisch unmöglich, Placebo-Effekte und erwartete therapeutische Wirkungen auseinanderzuhalten. Die Resultate von zulassungsorientierten, placebokontrollierten Studien mit Psychopharmaka sind deshalb äußerst fragwürdig. Patientinnen und Patienten sind gut beraten, wenn sie mit Skepsis auf »evidenzbasierte Wirksamkeitsstudien« reagieren, sollten Ärztinnen und Ärzte sie zur Akzeptanz ihrer Psychopharmaka verleiten wollen.

Von Josef Zehentbauer folgen – in langer Praxis – erprobte Hilfestellungen, die Allgemeinärzte Menschen mit ernsten psychischen Problemen geben können, angefangen von naturheilkundlichen Mitteln über Ratschläge zur Ernährung und zur Mobilisierung körpereigener Drogen bis hin zu psychotherapeutischen Gesprächen und der Ermutigung, sich im Selbsthilfebereich zu engagieren und Selbstverantwortung zu übernehmen.

Große Bedeutung hat die Minimaldosierung von Neuroleptika, wenn Menschen mit ernsten psychischen Problemen in ihrer derzeitigen Lebenssituation nicht ohne Psychopharmaka zurechtkommen oder diese nicht mehr vollständig absetzen können. Angesichts des häufig schlechten körperlichen Zustands psychiatrischer Patientinnen und Patienten sind hierbei Kontrolluntersuchungen wichtig. Psychiatrisch Tätige, Patientinnen und Patienten und ihnen Nahestehende sollten solche Untersuchungen kennen, um Risiken einigermaßen in Grenzen halten und bei ersten Anzeichen sich entwickelnder Schäden frühzeitig Konsequenzen ziehen zu können. Sollte aus welchen Gründen auch immer die Verabreichung oder Einnahme von Neuroleptika unumgänglich sein, ist angesichts des fortbestehenden Trends zu höheren Neuroleptika-Dosierungen, auf den beispielsweise seit Jahren im »Arzneiverordnungs-Report« hingewiesen wird, ein Appell an die Vernunft notwendiger denn je – unterlegt von all den psychiatrischen Studien, die den fehlenden Nutzen der üblichen Dosierungen aufzeigen.

Im letzten Beitrag folgen Ratschläge für Menschen, die sich Gedanken machen, ihre Psychopharmaka abzusetzen. Hierzu zählt der Rat, den Entschluss zum Absetzen sorgfältig zu durchdenken, nichts zu überstürzen, gerade bei längerer Einnahmezeit schrittweise vorzugehen, sich über Entzugs- und Absetzprobleme sowie bewährte Maßnahmen zu ihrer Minimierung zu informieren und sich im Anschluss auch mit dem Sinn der Depression oder Psychose auseinanderzusetzen, um nicht blind in die nächste Krise zu stolpern.

Mit Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer ist es mir gelungen, drei hochkarätige Mitautoren für dieses Buch zu gewinnen. Wir – sie als professionell tätige Ärzte und ich im Selbsthilfebereich – weisen grob geschätzt zusammen 150 Jahre Praxiserfahrung auf: Erfahrung in der Praxis, Menschen zu helfen, ernste psychische Krisen ohne den Einsatz riskanter Psychopharmaka zu bewältigen und den Weg aus den therapeutischen Sackgassen zu finden, in die sie Mainstream-Psychiater mit großem finanziellen Aufwand hineinmanövrierten.

An dieser Stelle bedanke ich mich auch bei Peter Ansari, Paul Göbel, Iris Heffmann, Bernd Holdorff, Margret Osterfeld, Peter Stastny und Reinhard Wojke, die mit Anregungen, medizinischen Erläuterungen, Übersetzungshilfen, Korrekturen und Unterstützung in EDV-Fragen wesentlich zum Gelingen dieses Buchs beigetragen haben.

Peter Lehmann

Über die Autoren

Foto von Volkmar AderholdVolkmar Aderhold. Jg. 1954, Dr. med., Arzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin, arbeitet seit 1982 in der Psychiatrie. 1996-2006 Oberarzt im Bereich Psychosen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Seit 2006 Mitarbeiter am Institut für Sozialpsychiatrie an der Universität Greifswald. Und freiberuflich tätig mit Fortbildungen und Umsetzung des Offenen Dialoges in stationären und ambulanten Strukturen. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. Psychotherapie der Psychosen – Integrative Behandlungsansätze aus Skandinavien (Herausgabe gemeinsam mit Yrjö Alanen u.a. 2003).
Foto von Peter LehmannPeter Lehmann. Jg. 1950, Dipl.-Sozialpädagoge, heute selbstständiger Autor und Verleger in Berlin. 1986 Mitbegründer von PSYCHEX (Schweiz), seither Vorstandsmitglied, 1991 Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des Europäischen Netzwerks von Psychiatriebetroffenen, 1994-2000 Vorstandsmitglied des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener, 1996 Mitbegründer vom Weglaufhaus Berlin. 2010 Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Aristoteles-Universität Thessaloniki. 2011 Bundesverdienstkreuz. Seit 2013 Schirmherr der Berliner Organisation Psychiatrie-Erfahrener und Psychiatrie-Betroffener. Diverse Buchpublikationen, u.a. Der chemische Knebel – Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen (1986, 6. Auflage 2010), Schöne neue Psychiatrie« (1996, bearbeitete E-Book-Ausgabe 2017), Psychopharmaka absetzen – Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern (Hg. 1998; 4. Aufl. sowie E-Book 2013) und Statt Psychiatrie 2 (Hg. 2007 mit Peter Stastny sowie E-Book 2014). Mehr
Foto von Marc RuferMarc Rufer. Dr. med., Arzt und Psychotherapeut. Nach Abschluss meines Medizinstudiums arbeitete ich als Assistenzarzt in einer großen staatlichen Psychiatrischen Klinik. Von Anfang an tat ich mich schwer mit der psychiatrischen ›Diagnostik‹ und ›Behandlung‹ von psychischen ›Störungen‹. Den Schritt zur Kritik der Psychiatrie als Ganzes machte ich nach einer Zeit der intensiven Auseinandersetzung. 1986 Mitbegründer von PSYCHEX (Schweiz), seither Vorstandsmitglied. Mit meinen Büchern, Zeitschriften- und Zeitungsartikeln versuche ich, psychiatriekritische Gedanken öffentlich zu machen. Buchveröffentlichungen: Irrsinn Psychiatrie – Psychisches Leiden ist keine Krankheit. Die Medizinalisierung abweichenden Verhaltens – ein Irrweg (1988; 4. Aufl. 2009); Wer ist irr? (1991); Glückspillen – Ecstasy, Prozac und das Comeback der Psychopharmaka (1995).
Foto von Josef ZehentbauerJosef Zehentbauer. Geboren 1945, Dr. med., verheiratet, vier Kinder, langjährige Tätigkeit als Allgemeinarzt und Psychotherapeut in einer psychosomatisch-orientierten Gemeinschaftspraxis in München. Früher ärztliche Tätigkeit in Afrika (Nigeria) und Indien (Kalkutta), mehrjährige Arbeit in der Neurologie, in verschiedenen psychiatrischen Kliniken und der Akutstation einer Nervenheilanstalt sowie gemeinsame Projekte mit Franco Basaglia und anderen Exponenten der ›Kritischen Psychiatrie‹ Italiens. Mitarbeit an Fernseh- und Rundfunksendungen zum Thema Psychopharmaka. Zahlreiche Veröffentlichungen, Vorträge und Seminare über Psychiatrie, Psychopharmaka/Psycho-Drogen, Medizinkritik, Psychotherapie und alternative Heilverfahren. Buchveröffentlichungen unter anderem: Chemie für die Seele – Psyche, Psychopharmaka und alternative Heilmethoden (1986, 11. Aufl. 2010); Körpereigene Drogen – Garantiert ohne Nebenwirkungen (1993, 7. Aufl. 2013); Abenteuer Seele – Psychische Krisen als Chance nutzen (2000, Neuausgabe 2008); Melancholie – Die traurige Leichtigkeit des Seins (2000, 4. Aufl. 2014, E-Book 2014)


Geleitwort von Peter & Sabine Ansari

Peter Lehmann ist der renommierteste Psychiatrie-Kritiker im deutschsprachigen Raum, und das bereits seit mehr als 35 Jahren. Als er 1980 anfing, speziell die Wirkungsweise und unerwünschten Wirkungen von Neuroleptika offenzulegen, wurde er mit harten Bandagen bekämpft. Niemand wollte ihm zuhören. Um gedruckt zu werden, musste er einen eigenen Verlag gründen. Jahre später waren seine Bücher in mehrere Sprachen übersetzt und gelten heute als Standardwerke der kritischen Psychiatrie. Zwischenzeitlich hat Lehmann einen Ehrendoktortitel und anschließend das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Aber es gibt immer noch Kritiker, die seine Einwände nur für die älteren Antidepressiva und Neuroleptika gelten lassen wollen. Neuere Psychopharmaka seien viel besser verträglich und hätten gar nicht dieselben schweren Nebenwirkungen. Wie wenig Wahrheit hinter dieser Behauptung steckt, hat Peter Lehmann in seinem neuen Werk herausgearbeitet. In akribischer Kleinarbeit hat er sich die neueren Antidepressiva und Neuroleptika einzeln vorgeknöpft und beschrieben, für welche Indikationen sie eingesetzt werden, aber vor allem auch, welche unerwünschten Wirkungen während der Behandlung mit jedem einzelnen Medikament zu erwarten sind.

Die Leserinnen und Leser können dadurch prüfen, ob die Symptome, unter denen sie leiden, von dem Medikament verursacht werden. Sie können mit dieser Information dem von ärztlicher Seite häufig geäußerten Argument »Sie haben aufgrund Ihrer Grunderkrankung Schwindelgefühle, Unruhezustände, Übergewicht etc.« selbstbewusst entgegentreten.

Neuere Langzeitstudien haben gezeigt, dass Menschen, die dauerhaft Psychopharmaka einnehmen, früher sterben und seltener selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben als diejenigen, die sich nach einer Krise gegen eine dauerhafte Einnahme von Psychopharmaka entschieden haben.

An der Verbreitung dieses Wissens sind im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten die beiden Ärzte Marc Rufer und Josef Zehentbauer sowie der Psychiater Volkmar Aderhold stark beteiligt. Jeder der vier Autoren engagiert sich seit vielen Jahren für eine angemessene und wirksame Hilfe für Menschen in psychosozialen Krisen und für selbstbestimmte Hilfe beim Absetzen.

So endet das Buch mit dem wichtigen Absetzkapitel, in dem die Autoren warnen, dass es nach jahrelangem Gebrauch keinesfalls leicht ist, die Psychopharmaka abzusetzen. Nicht allen gelingt der Entzug und für manche Neuroleptika-Patientinnen und -Patienten ist es einfacher, eine weiterhin minimaldosierte Wirkstoffmenge einzunehmen, als das Mittel vollständig abzusetzen.

Absetzen ist ein sehr ernstes Thema, viele »Rückfälle« oder sogar psychiatrische Lebenskarrieren lassen sich auf einen schlecht informierten Umgang mit Psychopharmaka zurückführen. Wer diese Substanzen über einen längeren Zeitraum eingenommen hat, verändert dadurch seine Gehirnbiochemie. Durch Anpassungsvorgänge im Gehirn erhöht sich beim Absetzen das Risiko, erneut eine Krise zu erleiden. Wir wissen aus Erfahrung mit unseren Patientinnen und Patienten, wie wenig sie über Wirkungen und Risiken der Psychopharmaka aufgeklärt werden. Dieses Buch liefert ihnen – aber auch Ärzten, Therapeuten und Angehörigen – eine wertvolle Zusammenstellung all der Informationen, die für eine selbstbestimmte Therapie benötigt werden.

Dr. Peter und Sabine Ansari, Coppenbrügge, im Juli 2017

Peter Ansari. Doktor der Humanbiologie, hat in Hamburg und Berlin in der Gehirnforschung gearbeitet und zehn Jahre über Depressionen geforscht. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er eine psychotherapeutische Praxis. Buchveröffentlichung: »Unglück auf Rezept – Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen« (gemeinsam mit Sabine Ansari, 2016). Sabine Ansari ist Sprecherzieherin und war beim Südwestrundfunk als Fernsehmoderatorin tätig. Heute arbeitet sie als Heilpraktikerin bei Hannover. Buchveröffentlichung: »Unglück auf Rezept – Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen« (gemeinsam mit Peter Ansari, 2016).

Geleitwort von Andreas Heinz

Volkmar Aderhold, Peter Lehmann, Marc Rufer und Josef Zehentbauer legen ein umfangreiches und kritisches Buch zu Wirkmechanismen und unerwünschten Wirkungen der derzeit gängigen medikamentösen und neurobiologisch-orientierten Therapieverfahren in der Psychiatrie vor. In vielen Bereichen ist das Urteil über diese Verfahren, zumindest was ihre länger dauernden Auswirkungen betrifft, ausgesprochen negativ. Wer als professionell in diesem Bereich tätige Person dieses Buch liest, mag an vielen Stellen widersprechen wollen. Gibt es nicht eine Vielzahl von Patientinnen und Patienten, die durch diese Therapieansätze eine deutliche Besserung, wenn nicht gar Beschwerdefreiheit erreicht haben? Dieser Einwand hilft allerdings weniger, als man denken könnte, denn zurecht gehen die Autoren auch auf den Placebo-Effekt ein, der ja jede Therapie, von der die professionell Behandelnden überzeugt sind, bereits mit positiven Auswirkungen versieht, ganz unabhängig davon, was deren eigentliche Wirkmechanismen auslöst. Gerade deshalb ist die Auseinandersetzung mit dem hier vorliegenden Buch so wichtig.

Mit großer Sorgfalt haben die Autoren eine Vielzahl von Befunden und kritischen Berichten zusammengetragen, die einen umfassenden Überblick über die unerwünschten Wirkungen und die Kritik am Einsatz der genannten Verfahren ermöglichen. Selbst wenn man an dieser oder jener oder auch an vielen Stellen mit den Schlussfolgerungen der Autoren nicht übereinstimmt, ist es für therapeutisch Tätige entscheidend, diese Befunde und Bedenken zu kennen. Dies umso mehr, als diese Therapieansätze auch bei Patientinnen und Patienten zum Einsatz kommen, die aufgrund einer Selbstgefährdung mit drohendem erheblichem Gesundheitsschaden und bei mangelnder Einsicht in ihre Gefährdung gegen ihren aktuell geäußerten Willen mit solchen Verfahren behandelt werden.

Aber auch jenseits dieser kontrovers diskutierten Situationen ist es essentiell, dass die Patientinnen und Patienten über die kurz- wie langfristigen unerwünschten Wirkungen der Therapieverfahren ebenso aufgeklärt werden wie über widersprüchliche Befunde zur kurz- und langfristigen Wirksamkeit und den Wirkmechanismen dieser Therapieverfahren.

Dies gilt natürlich nicht nur für den Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie, sondern für die gesamte Medizin. So finden sich die von den Autoren zurecht betonten Absetzsymptome nach Verordnung von Neuroleptika oder Antidepressiva auch nach dem Absetzen (»Entzug«) einer Vielzahl weiterer chronisch verordneter Medikamente, beispielsweise beim Absetzen bestimmter Antihypertensiva (Medikamente zur Behandlung eines Bluthochdrucks) bis hin zu lebensbedrohlichen kardiovaskulären Komplikationen. Diese Absetz- oder Entzugssymptome wecken bei vielen Betroffenen die Sorge, dass sich eine Abhängigkeitserkrankung ausgebildet hat. Aus medizinischer Sicht ist allerdings der Begriff der Abhängigkeitserkrankungen für Suchterkrankungen reserviert, die nur dann diagnostiziert werden sollten, wenn zusätzlich zu Absetz- bzw. Entzugssymptomen auch ein starkes Verlangen nach der Substanz (dem Medikament oder der Droge) und eine Kontrollminderung im Umgang damit gegeben ist. Letzteres ist bei Morphium und Benzodiazepinen der Fall, bei Antidepressiva und Neuroleptika aber nicht. Auch wenn hier also aus medizinischer Sicht keine Suchterkrankung vorliegt, ist die Kenntnis der substanzeigenen Absetzsymptome sehr wichtig, wenn es darum geht, Patientinnen und Patienten beim Absetzen kompetent zu begleiten.

Mit der Lektüre des Buches stellt sich die Frage nach den praktischen Auswirkungen der hier vorliegenden Kritik. Zum einen verweist der vorliegende Band mit Recht auf die Notwendigkeit, beim Absetzen der Medikamente vorsichtig vorzugehen und diese langfristig schrittweise zu reduzieren, um unerwünschte Wirkungen inklusive des gegebenenfalls erhöhten Risikos des Wiederauftretens der Grunderkrankung zu vermeiden. Da bereits jetzt sehr viele Patientinnen und Patienten ihre Medikation absetzen, meist eher plötzlich, sind diese Hinweise ausgesprochen wichtig. Für diejenigen, die erfolgreich mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten behandelt werden, ist die Information über erwünschte und unerwünschte Wirkungen der Medikamente hoch relevant, um eine informierte Entscheidung treffen zu können.

Alle Therapeutinnen und Therapeuten – auch die, die mit den im Buch geäußerten Einschätzungen nicht übereinstimmen – sind damit aufgerufen, sich mit diesen Studien auseinanderzusetzen, weitere Erfahrungen und Studien in die Diskussion einzubeziehen und den Patientinnen und Patienten ein informiertes Bild über die Behandlungsmöglichkeiten und ihre Auswirkungen inklusive der in diesem Band zusammengestellten kritischen Befunde zu ermöglichen. Dies ist auch ein wichtiger Bestandteil der Entscheidung bei Vorausverfügungen für krisengefährdete und ältere Menschen, damit diese ihr Recht auf eine selbstbestimmte angemessene Behandlung wahrnehmen und verteidigen können, auch gegen die Zwänge einer zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens.

Dies gilt gerade in Zeiten, in denen in vielen Industrienationen die sozialen Netzwerke und die Gesundheitsversicherungen für einen Großteil der Bevölkerung nicht garantiert sind und die Alternative zu einer überfürsorglichen oder paternalistischen Gesundheitsversorgung die Vernachlässigung, Obdachlosigkeit und gegebenenfalls Inhaftierung eines großen Teils der psychisch kranken Bevölkerung ist, wie sich das in Studien zum Abbau psychiatrischer Leistungen und zur gleichzeitigen Erhöhung der Zahl der Gefängnisinsassen zeigt. Die Alternative zu einer zu breiten und unkritischen Medikamentenverordnung ist nicht der Abbau gesundheitlicher Versorgungsleistungen, sondern der Aufbau ausführlicher Informationsstrukturen inklusive der Garantie der dafür notwendigen Personalressourcen. Dies gilt für Arztpraxen ebenso wie für Krankenhäuser, für ambulante multiprofessionelle Teams, die derzeit noch unzureichend finanziert sind, für psychotherapeutische Angebote, die für Menschen mit schweren psychischen Störungen meist nicht zugänglich sind, für Selbsthilfegruppen und EX-INler wie für Informations-, Beratungs- und Beschwerdestellen. Medikamente können ein ausgesprochen wichtiger und hilfreicher Bestandteil eines psychosozialen Behandlungsplans sein, wenn die Vor- und Nachteile einer solchen Therapie sorgfältig von den Betroffenen abgewogen werden können, wozu die ausführliche Information durch Professionelle ebenso gehört wie – soweit von den Betroffenen gewünscht – die Einbeziehung der Angehörigen und Freunde. Für diese Information stellt das vorliegende Buch einen ebenso kritischen wie ausgesprochen wichtigen Beitrag dar.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Andreas Heinz, Charite, Berlin, im Juli 2017

Andreas Heinz. Dr. med., Direktor der Klinik und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Berlin. Präsident elect der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

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